Mädchenpatenschaften in Bangladesch

 

 

Nazia - eine alltägliche Geschichte in Bangladesch 

Dass Nazias Familie die Unterstützung durch die Schulpatenschaft dringend nötig hat, ist schon an ihrer einfachen zusammengeflickten Hütte zu sehen. Das Dach ist sehr löchrig und zu Monsunzeiten kommen große Mengen Wasser herein. Strom gibt es ohnehin nicht. Die Familie lebt mit ihren noch zu Hause verbliebenen vier Töchtern in einem einzigen Raum. Nazias  Schwestern sind 15, 10 und 8 Jahre alt. Da Nazias Vater aufgrund von Knieproblemen Schwierigkeiten beim Laufen hat und zudem unter einer Augenerkrankung leidet, kann er nicht mehr arbeiten. Die Mutter verdient mit zwei Putzstellen und einer weiteren Anstellung als Köchin insgesamt gerade mal 4000 Tk (40 €) im Monat. Um so erstaunlicher ist, dass sie es schafft,  ihren vier Töchtern den Schulbesuch zu ermöglichen. Die Schulen in Bangladesch verlangen jährliche sowie monatliche Gebühren, und so ist es nicht verwunderlich, dass viele arme Familien keine andere Möglichkeit sehen, als ihre Töchter möglichst früh in die vermeintliche Sicherheit zu verheiraten oder arbeiten zu schicken–meist gegen sehr geringe Bezahlung. Nazias Mutter Saliha  bringt hingegen sogar Geld für Nachhilfe auf, die aufgrund des lückenhaften Unterrichts in Bangladesch leider notwendig ist. Gerade hat Nazia die 9. Klasse beendet. Sie ist eine gute Schülerin und besondere Begabung hat sie in ihrem Lieblingsfach Mathematik. Sie hofft,mit einem Schulabschluss eines Tages ein besseres Leben führen zu können. Derzeit lebt sie allerdings unter beklemmenden Bedingungen. Ihre Mutter verließ das Mati-Sparprogramm, da die Familie nicht genug hat, um auch nur einige Taka zur Seite zu legen. Die Verwandtschaft ist ebenfalls arm und kann nicht helfen. Nur gelegentlich kann die Familie etwas Fleisch oder Eier von ihren derzeit fünf Hühnern verkaufen. Nazias  15-jährige Schwester wird ab Januar auch über eine Mädchenpatenschaft unterstützt.

 

(Name und Foto aus Datenschutzgründen geändert)

 

 

Manche  Mädchenpatenschaften
im Milleniumsdorf sind gegen Ende 2018 beendet, neue sind dort entstanden, vor
allem aber können neue Schülerinnen in Borobilerpar, einem weiteren
Dorf, gefördert werden. Die Entwicklungen der Mädchen sind sehr unterschiedlich und es bleibt immer wieder spannend, ob die Familien den Mädchen auf Dauer die Chance geben, sich zu bilden.

Dagegen stehen die Traditionen, die Imane, die finanzeillen Schwierigkeiten, und manchmal
auch Überschwemmungen, die der Familie die Lebensgrundlage rauben, so dass es für sie sinnvoll erscheint, unnötige Esserinnen zu verheiraten.
Letztendlich freuen wir uns über jedes Jahr, das einem Mädchen erspart wird, zu früh zu heiraten, und dadurch Schaden an Leib und Seele  zu nehmen. Und besonders freuen wir uns natürlich, wenn Mädchen tatsächlich trotz widriger Umstände Schulabschlüsse machen. Jedes Jahr weiterer Schulbesuch ist ein Schritt in die richtige Richtung.

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